Isolde Fischer, Gründerin der Greislerei
Foto: Rene Vidalli, 2025

Über die Gründerin der Greislerei

Ein Interview von Sabine Krömer

 

Isolde Fischer erfüllte sich 2018 einen Herzenswunsch und gründete die Greislerei.

Zuvor war sie beruflich viele Jahre im Management internationaler Konzerne tätig.

Die Entscheidung zum Wechsel lag vor allem in der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, dem Wunsch, älteren Menschen, Glücksmomente zu bereiten und einen Ort zu schaffen, an dem Begegnungen zählen.

 

"Für mich geht es darum, älteren Menschen Momente des Glücks zu schenken – und ihnen zu zeigen, dass sie geschätzt und gesehen werden. Gleichzeitig erhalte ich so viel zurück. Denn die Lebenserfahrung, der Humor und die Gelassenheit der Menschen, denen ich hier begegne, sind für mich inspirierend und ermutigend.“ 


Frau Fischer, was ist die Greislerei?

Die Greislerei ist ein Ort der Begegnung und Lebensfreude für Menschen ab 70.
Hier finden Seniorinnen und Senioren ein offenes Ohr, Gesprächspartner und hilfreiche Angebote, um aktiv, verbunden und glücklich

zu bleiben. Unser Programm orientiert sich an den neuesten Erkenntnissen der Glücks- und Altersforschung – denn Glück darf kein Ablaufdatum haben. Ein Funkeln in den Augen, ein herzliches Lachen oder die Vorfreude auf das nächste Zusammenkommen zeigt uns, dass wir auch dem richtigen Weg sind. 

 

Was bedeutet die Greislerei für Sie ganz persönlich?

Sie ist für mich eine wunderbare Gelegenheit, diese Welt ein bisschen schöner zu machen.

Besonders für Menschen jenseits der 70, die in vielen Bereichen leider zu oft alleingelassen werden. Zwar gibt es zahlreiche Angebote

für Seniorinnen und Senioren, doch viele Menschen erreichen diese Angebote nicht oder finden keinen einfachen Zugang dazu.

Auch hier helfen wir in der Greislerei gerne weiter. 

Isolde Fischer´s Oma im Alter von 86 Jahren
Isolde Fischer´s Oma im Alter von 86 Jahren

Wie kamen Sie auf die Idee?

Daran ist gewiss meine Oma nicht ganz unschuldig.

Sie war eine sehr fürsorgliche und liebevolle Person und die Zeit mit ihr ist eine unvergesslich schöne. Sie hat allerdings auch stets für intakte und solide Familienstrukturen gesorgt, in die sie selbst dann naturgemäß bis zu ihrem Tod gut umsorgt eingebettet war. 

 

Ich sah aber auch andere Großeltern, die vorwiegend vereinsamt und traurig ihren Lebensabend verbrachten. Das Thema beschäftigte mich seither immer wieder. 2018 gründete ich in Folge die Greislerei. Damit möglichst viele Senioren bis ins hohe Alter noch so viel Glück empfinden können, wie meine Oma es konnte. Durch ein Miteinander (wer sagt, dass es das nur in der Familie geben kann?), das Geborgenheit, Zugehörigkeit und Glück spüren lässt. Über die gemeinsame Zeit hinaus.  

 

Warum ist Glück Ihrer Ansicht nach von so großer Bedeutung?

Glück wirkt sich auf unser persönliches Wohlempfinden aus. 

Es beeinflusst zudem auch unsere Gesundheit positiv. Das ist wissenschaftlich erwiesen. 

Der niederländische Glücksforscher Ruut Veenhofen sagt nach Auswertung zahlreicher Studien: „Glückliche Menschen leben bis zu zehn Jahre länger als unglückliche Menschen. Sie haben dadurch einen ähnlichen Vorteil wie Nichtraucher gegenüber Rauchern.“

Welchen schöneren und effektiveren Weg für mehr Gesundheit kennen Sie? 

 

Ist Glück im Alter nicht eher eine Illusion?

Keineswegs. Natürlich kennen alle Senioren persönliche Herausforderungen. Auch haben sie gewiss Krisen und Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Dennoch. Glück ist mehr als das Geschenk von Jugend und Sorglosigkeit. 

Wer weiß, was er wann und wie tun kann und entsprechende Unterstützung bekommt, fühlt sich nicht mehr allein, handelt weniger fremd- und mehr eigenbestimmt, ist glücklicher und lebt gesünder. 

Als Beispiel dafür, dass das funktioniert, zitiere ich gern eine Seniorin, die über unseren „Goldenen Salon“ gesagt hat: „Das ist mit Gold nicht aufzuwiegen.“ 

 

Ihre Mission in kurzen Worten?

Zurück zum Glück mit +70 !

 

 Abschließend noch 7 persönliche Fragen an Sie:

 

1) Haben Sie sich für die Greislerei spezielle Kenntnisse angeeignet?

Ja. Ich habe fundierte Ausbildungen für Seniorenanimation, Konzentrations- und Gedächtnistraining, sowie Ernährung, Bewegung und Spiel im Alter absolviert. Weitere laufen gerade, denn Lernen endet nie.

 

2) Wie möchten Sie selbst Ihr Alter erleben?

Gern solange wie möglich physisch, mental und emotional gesund. Zufrieden. Mit sozialen Kontakten. Immer offen für Neues bleiben. Finanziell keine großen Sorgen haben müssen. Utopische Wünsche? Ich hoffe nicht.  

 

3) Haben Sie Angst vor dem Alter?

Angst nicht, Respekt schon. 

                                                                         Allerdings weiß ich ja, was ich tun kann, um auch im Alter glücklich zu bleiben ;-)  

 

4) Haben Sie ein Lebensmotto?

Frei nach Marc Aurel: „Das Glück hängt von der Qualität deiner Gedanken ab.“

 

5) Welcher Satz Ihrer Oma wirkt noch heute in Ihnen?

„Offen über alles sprechen können, macht das Herz leichter.“

 

6) Mit welcher öffentlichen Person würden Sie gern einen Kaffee trinken?

Mit Martin Seligman. Unter anderem.

 

7) Wer ist Ihr Vorbild?

Alle, die trotz Zweifeln und Ängsten lautstark JA zum Leben sagen.